Wie ich schreibe
Ich schreibe, wie ich lebe. Einfach. Ich denke mir keine Protagonisten aus, konstruiere keine Wortgebäude, Sprachlabyrinthe, Handlungen, Situationen, Entwicklungen. Ich nehme die, in die ich hineinverwickelt bin und räume sie ab, kratze die Rülpser, Schmatzer, Schnarcher, Nieser, Huster herunter, bis die Atemzüge wahrnehmbar werden. Und: Alles, was ich schreibe, hat mit Grenzen und Neuland zu tun. Weil das mein Leben ist.
Weblogbuch / Buch: Ein Logbuch lebt vom Hier und Jetzt. Frische Fußabdrücke einer Reise. In einem Buchtext kann man aus der Vergangenheit Gegenwart machen, Zukunft, alles. Man kann die Zeiten durch die Gegend schieben wie Mensch-ärgere-dich-nicht-Männchen. Nur das Hier und Jetzt lässt sich nicht verschieben, nicht nachholen, nicht zwischen zwei Buchdeckel stecken. Im Vergleich zu seinen Verwandten ist es ein Straßenkind. Ein Buch ist etwas Gemachtes, Gebasteltes, Eingekochtes, Komponiertes, Gehauenes, Erhabenes. Es ist etwas Fertiges. Eine zubereitete Mahlzeit, ein Konfekt, eine Giftspritze, ein Werkzeug. Haltbar gemachte (W)Orte. Kleine Ewigkeiten. Ein Blog lebt vom Sterben.
Wozu müssen wir Geschichten erfinden
oder Zeremonien im blauen Saal?
Das Leben ist doch gut genug.
aus Grenzenlos, Arovell Verlag