Hannah Seth

Grenzenlos

Roman

Dieses Buch enthält eine sehr persönliche Geschichte, fast zu persönlich für ein Buch, aber mir sind ein paar Dinge aufgefallen, von denen ich glaube, dass sie nicht nur mich etwas angehen. Zum Beispiel, wie viele Symbole sich im Leben eines Menschen finden, wenn man sich die Mühe macht genauer hinzuschauen, oder wie verbunden alles mit allem ist, wie innen mit außen kommuniziert, oben mit unten, der rechte kleine Finger mit dem Dreck unter dem linken Daumennagel des Nachbarn und dass es nichts gibt in diesem Gefüge, das nichts bewirken würde für das Ganze, weil nichts sich von irgendetwas trennen lässt, am allerwenigsten von seinem Gegensatz. Deshalb kann ich das Persönliche aus diesem Buch auch nicht heraushalten.


Wenn ich ein Stück von der Grenzenlosigkeit des Lebens zeigen will, muss ich ein Leben mit allen seinen Grenzen dazu nehmen.


Grenzenlos beginnt, wie das Leben beginnt: indem etwas zu sterben anfängt. Im Fall dieses Buches ist es „das ehemalige Dienstmädchen“. Begleitet wird es von seinem geliebten Schützling, einer furchtbar ordentlichen und stressigen Juristin, die sich schnell pflichtbewusst ein paar Urlaubstage genommen hat. Dass die kleine Gestalt, die sie vornüber gebeugt auf dem Bettrand sitzend antrifft, sie selbst ist, ist Inhalt dieses Buches, und dass Tage wie diese paar Tage eine jener verkehrten Kostbarkeiten sind, die das Leben an seinen Schlüsselstellen bereithält, Startlöcher für ein Abenteuer, das auf zwei stämmigen Beinen steht: 1) Wenn man begriffen hat, dass man sein Leben von Grund auf ändern muss, kann man die Ärmel aufkrempeln und es tun. 2) Wer Neuland betreten will, muss zuerst an (s)eine Grenze(n) gehen. An eigenen und fremden Sterbebetten sitzen, in Höhlen kriechen und die Gedärme blubbern hören, kräftig ausmisten und durchputzen, sein eigenes Haus ent-Decken, segeln lernen, sich selbst verrücken, sein Herz in die Schlacht werfen, in einem Schiffskelett hausen, sein Monster begrüßen, die Hoffnung begraben, dass, wenn man ins Wasser springt, ein anderer für einen schwimmt, zum Sonnenaufgang gehen um vier in der Früh, mit seinem Kind frühstücken auf einem Dach in Berlin … Das (Buch) ist nicht jedermanns Sache.


Ich will den Tod nicht töten. Ich will den Schmerz, den Krieg nicht an die Wand stellen und erschießen. Ich will keinen Magic-Live-Club. Ich will das Land sehen, das ich bereise. aus Grenzenlos, Arovell-Verlag



Hannah Seth, Grenzenlos; Roman, Arovell Verlag Gosau Salzburg Wien 2008, ISBN 978-3902547637, 200 Seiten, 14,90 Euro; Bestellung unter hannah.seth@gmx.at