50 Plus (oder: Geh Versuch Lyrik)



1956 im Pinzgau geboren
Ein schöner Gau im schönen Salzburger Land,
wären die Ortsbilder nicht touristengerecht hingerichtet.
Aber vielleicht muss das so sein.
Wo wären wir, hätten wir keine Fehler?
Auf der Erde hätten wir nichts zu suchen.
Wem nichts fehlt, der hat nichts zu suchen. Nirgends.
Das würde mir am meisten fehlen.
Ich brauche den Osterhasen mit meinen 50 plus immer noch, die Berge, die dummen Köpfe.
Schrecklich allein vorkommen würde ich mir ohne Nest, aus dem ich fallen kann.
Auf der Geburtsurkunde steht Martha Frey.

1970 - 1974 Ursulinen Salzburg
Viele Mädels, viele Träume,
ein paar fehlende Klaviertasten
im Grünen
am Rand einer irrwitzig schönen Stadt.

1974 - 1982 Graz
Jus-Studium.
Gerichtsjahr.
Ein Kind kommt.
Die Ehe kommt.
Frey geht, wird durch Laufer ersetzt.
Die erste eigene Waschmaschine ein Schock.

1982 - 1990 Wanderjahre außen
Graz - Salzburg
Salzburg - Graz
Graz - Wien
Wien - Salzburg
Salzburg - Wien
Wien - Niederösterreich
Kritzendorf - Klosterneuburg
Parterre-Wohnung links
Parterre-Wohnung rechts
Immerhin.
Die Kreise werden enger.
Trotzdem.
Mein Sohn ist ein Zigeuner.

1990 - 2005 Wanderjahre innen
15 Jahre in der gleichen Wohnung.
15 Jahre im öffentlichen Dienst.

2005 der Ausstieg
Zigeuner, Vagabunden, Herumtreiber, viele Wörter gibt es für Unsereinen, würde man uns anschauen.
Aber die Blicke bleiben am Titel hängen, an der tadellosen Kleidung, an der Wohnungstür.
Was, wenn die Mauern zu bröckeln beginnen?
Dabei ist meine Wohnung nur größer geworden.
Werde ich mir das vor Augen halten können, wenn der erste Schnee kommt?

2007/2008 das erste Buch
Der Name Hannah Seth.
Am Schreibtisch ein Globus, ein Schneckenhaus, Henry Miller, die Stimme der Stille.
Alle reden von Finanzkrise, Wirtschaft, Rezension, Change.
Mit einer Segelyacht über den Atlantik.
Mit einem Haufen Bücher in die Buchhandlungen.
Das „Frey“ taucht wieder auf, stellt sich vor „Geist“.
Eine Seite im Web.

2009 Literatur Leben
In Wien in Notschlafstellen mitarbeiten.
Erfahrungen, Gedanken, Fragen in ein Weblogbuch werfen wie gewürfeltes Gemüse in einen Topf.
Ein paar Freigeister, Weltenwanderer dazu.
700 Kilometer von Pilgerherberge zu Pilgerherberge ohne einen einzigen Floh.
Weltweit regnet es Konjunkturpakete.
„Yes, we can!“
Umrühren.
Wer will, kann sich nehmen.

2010 Obdach. Los. Es.
Die Rettungspakete werden immer größer.
Wie der Ölteppich vor den Küsten der USA.
Es regnet und regnet.
Wasser, Vulkanasche, Sparpakete.
Ein Krisengipfel jagt den anderen.
Das Öl sprudelt. 6-7 Mio Liter pro Tag.
Trotzdem: Die Wirtschaft muss wachsen!
Ich?
5 Prosastücke. (K)ein Verlag?
Straßenkinder. Rumänien.
Namibia. Slum in Windhoek. Weit weg?



Kurz und bündig:

Ich wurde 1956 in Neukirchen/Grv. geboren, habe in Graz Rechtswissenschaften studiert, war verheiratet, habe einen Sohn, wohne seit mehr als zwanzig Jahren in Klosterneuburg, habe in Wien als Verwaltungsjuristin gearbeitet, bin an meinem 49. Geburtstag „ausgestiegen“ und lebe seither so aufmerksam und sorgfältig wie möglich nach dem abgedroschenen Motto und Buchtitel Geh, wohin dein Herz dich trägt. Und dabei schreibe ich.